Vom Sinn und Unsinn, Schnitte zu vergrößern

"Kann ich deinen Schnitt denn einfach vergrößen?"
Das werde ich des öfteren gefragt.
Was antwortet man da?

























Es ist ja schon so, dass ich mir durchaus etwas bei der Größenauswahl meiner Schnitte gedacht habe.
Tatsächlich enden diese dann auch nicht völlig willkürlich bei irgendeiner Größe. Sondern ich konstruiere sie in allen Größen, die ich technisch verantworten kann – und diese sind dann auch alle im Schnitt enthalten, den ihr kaufen könnt.
(Ich habe keinen der Schnitte in weiteren Größen vorrätig, die ich euch aus Geldmacherei oder sonstigen Gründen vorenthalte! ;))

Das Ganze funktioniert nämlich so:
Kinderschnitte konstruiert man normalerweise für Babys, für kleine Kinder oder für größere Kinder. Für diese 3 Größengruppen gibt es unterschiedliche Konstruktionsprinzipien. (Das erklärt auch schon, warum fertige Klamotten oft in 3 Größengruppen aufgeteilt sind.)

Angenommen, ich bastele also einen Prototypen in Größe 74. Das liegt in der Mitte der "Babygruppe".
Von Größe 74 ausgehend, kann ich nun den Schnitt bis Größe 56 runterrechnen und hoch bis Größe 92. Und hier endet dann auch schon die "Babygruppe".
Alles, was größer ist als Größe 92, müsste nun eigentlich nach den Regeln für kleine Kinder konstruiert werden = d.h., ich muss den Schnitt ein zweites Mal komplett neu aufbauen.
Entweder mache ich dies und habe dann einen korrekt aufgestellten Schnitt bis Größe 116.
Oder aber ich mogele vielleicht noch Größe 98 und 104 dazu, aber dann ist definitiv Schluss.
Zum 116er Schnitt kann ich genauso vielleicht noch die Größen 122 und 128 dazupfuschen, aber auch dann ist Schluss mit dem, was ich technisch verantworten kann.

Soweit, so gut.
Und nun soll ich ja die Frage beantworten, ob man denn Schnitt xy bis z.B. 134 oder 140 vergrößern kann.
Meiner Meinung sollte man es zumindest nicht tun – wenn ich es für eine gute Idee hielte, hätte ich es ja bereits getan und ihr müsstet es nicht selber machen. Besser werden die Schnitte davon jedenfalls nicht und die Passform auch nicht. Aber es kommt halt auch drauf an, welche Ansprüche man hat.

Das war das Wort zum Freitag. Ein schönes Wochenende euch! :)
Ich geh dann mal weiter basteln – in 80 bis 122 :D

Kommentare:

  1. Bravo! Und das nenne ich dann seriös - und kaufe weiterhin gerne Schnitt bei Dir ein. Ich danke Dir - einfach mal so.

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  2. Danke für deine ausführliche Erklärung. Wenn man sich anschaut, wie sich die Körperproportionen beim eigenen Kind verändern, kann man sich das auch gut vorstellen.

    Ich hatte neulich mal einen interessanten Artikel darüber gelesen, dass sich schlanke Frauen manchmal in der Kinderabteilung in Gr. 168/ Gr. 174 einkleiden. Es wurde dann sehr beeindruckend vogeführt, dass diese Kleidung an Erwachsenen überhaupt nicht richtig sitzt. Der Körperbau von größeren Kindern ist nunmal anders als der von "ausgewachsenen" Frauen.

    LG, Kirstin

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