Materialien für Matsch- und Regenhosen

Für alle, die sich fragen, welche Stoffe denn nun für meine Matsch-/ bzw. Regenhose geeignet sind und wie man so eine Hose wirklich wasserdicht hinbekommt:
Hier ist eine kleine Warenkunde
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit – wer noch mehr gute Tipps hat, darf mir gerne einen Kommentar schreiben!):


Gut geeignete Materialien:


PUL
:
PUL (Polyurethane laminate) sieht auf der Rückseite aus wie Jersey, und die Vorderseite hat eine Laminierung aus Polyurethan.
Eigentlich wird (dünnes, ggf. dehnbares) PUL für Windeln und Überhosen, wasserdichte Wickelunterlagen- oder Matratzenbezüge usw. verwendet. Dieses ist nicht so wahnsinnig strapazierfähig, also kein guter Matschhosenstoff.
Es gibt aber auch dickeres PUL, und das ist genau das Material, aus dem viele gekaufte Regen-/Matschhosen sind.
Beim Onlinekauf also unbedingt vorher eine Stoffprobe anfordern und/oder auf das Gewicht pro qm achten!

Regenjackenstoff, Ripstop (Spinnaker), Wetterschutz:
Regenjackenstoff kann gut geignet sein, wie strapazierfähig das jeweilige Material ist müsst ihr aber testen.
->> Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, vor dem Kauf eine Stoffprobe anzufordern (das geht in vielen Onlineshops.)
Ripstop ist sehr leicht, oft dünn, raschelt ein bisschen und ist nicht unendlich strapazierfähig.
Für Kleinkinder-Buddelhosen würde ich das nicht verwenden, aber für Regenhosen für Größere ist es durchaus eine Idee. 
Für ein netteres Tragegefühl und zwecks leichterem Anziehen kann man solche Hosen dann evtl. noch mit Futterstoff (Taft) füttern.

Membranstoffe:
Wasserdicht, weich und leicht, aber etwas "flutschig" in der Verarbeitung.


Weniger geeignet:

Tactel, Supplex / Supplex-Nylon:
Diese Stoffe haben zwar oft gute wasser- und windabweisende Funktionen.
Man kann sie daher wunderbar für Jacken, Sport-, Freizeitkleidung usw. verwenden, aber eher nicht für Matsch-/Regenhosen (wasserabweisend ist nicht gleich wasserdicht!).
Zudem sind die Stoffe oft zu weich und nicht strapazierfähig genug.
Supplex bietet sich eher als sportlicher Ersatz für Baumwolle an, ist aber atmungsaktiv, formbeständig, trocknet schneller und die Farben verblassen nicht.


Taslan:
Ist ebenfalls oft nur wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Außerdem ist es für Kleinkinder-Matschhosen nicht strapazierfähig genug und alles andere als schmutzabweisend.
Also: Taslan ist für Jacken, Badehosen usw. gut geeignet, aber nicht für Matsch- oder Regenhosen.


Duschvorhang:
Nette Idee und sicher günstig zu haben – aber kaum strapazierfähig genug für eine Matschhose.
Leichte, stoffartige Duschvorhänge sind (mit Taft gefüttert) evtl. als Regenhose für Größere denkbar. Wie atmungsaktiv so etwas ist, weiß ich aber auch nicht.


Beschichtete Baumwolle (z.B. mit Teflonbeschichtung):
Stoffe mit Teflonbeschichtung sind wasser-, fleck- und schmutzabweisend ausgerüstet. Solche Stoffe können ggf. für Matsch-/Regenhosne geeignet sein, sofern sie nicht zu steif und fest sind.
Vorher aber bitte testen, ob der Stoff wirklich wasserdicht und nicht nur wasserabweisend ist.
Und: Teflonbeschichtete Hosen können auf nassen Spielplatzrutschen zu wahren Raketen werden! ;))

 

Leider ungeeignet sind folgende Materialien:


Wachstuch:

Bitte kein Wachstuch für die Matschhose vernähen. Wachstuch knittert, fällt nicht schön, und ob es den Beanspruchungen einer Matschhose stand hält, wage ich zu bezweifeln. Atmungsaktiv ist es auch nicht.
Es gibt sogar Wachstücher, die auf der Rückseite kein Gewebe, sondern ein papierartiges Material haben. Diese reißen quasi schon beim Anschauen und sollten auf keinen Fall für jegliche Kleidung in Betracht gezogen werden.


Softshell, Neopren, Leder:
Würde ich nicht für die Matschhose verwenden, da diese Materialien entweder zu dick und fest sind (die Matschhose ist weit geschnitten!), oder sie pillen oder sind nicht wirklich waschbar.



Cordura, Oxford-Nylon:
Das sind sehr strapazierfähige Stoffe, die toll für Knieverstärkungen, Rucksäcke, Taschen oder gar Schuhe geeignet sind.
Für komplette Kleidungsstücke würde ich diese Stoffe aber nicht verwenden, da sie doch eher steif sein können.
Cordura wird gerne für Hochleistungs-Ausrüstung und -Kleidung verwendet, bei denen es auf Haltbarkeit ankommt. Offenbar gibt es auch dünne Varianten davon zu kaufen, die durchaus matschhosentauglich sein könnten – ich persönlich hatte diese aber noch nicht in der Hand, kann also nicht wirklich etwas dazu sagen.


Wie gesagt: Beim Onlinekauf fordert man am besten vorher eine Materialprobe an.
Dann kann man diese auf Wasserfestigkeit, Robustheit usw. testen.


Bezugsquellen für Outdoorstoffe und Nahtdichter:


www.extremtextil.de
www.funfabric.de
www.aktivstoffe.de
www.stoffundstil.de/
www.myllymuksut.com/
www.textilgrosshandel24.de

DaWanda, etsy, ebay,...




Außerdem wissenswert und hilfreich:

Nahtdichter

Nahtdichter gibt es in flüssig oder als (aufbügelbares) Band.
Welche Version für euer jeweiliges Projekt besser geeignet ist, müsst ihr vorher testen:

Flüssigen Nahtdichter sollte man vorher unbedingt an einem zusammengenähten Original-Stoffrest ausprobieren und nach Packungsanweisung durchtrocknen lassen.
Dann auch von der rechten Seite schauen, ob es gut aussieht. Manchmal zieht es doch ein wenig den Stoff zusammen, oder es gibt Flecken auf der rechten Seite. Das Endergebnis kann man aber wirklich erst nach der kompletten Trocknungszeit beurteilen.

Das aufbügelbare Band funktioniert - logisch! - nur bei Stoffen, die man auch bügeln kann. Wer unsicher ist, legt Backpapier o.ä. drüber.
So ein Band "suppt" auch nicht nach rechts durch, hat aber einen anderen Nachteil: Man kommt damit schlecht um Kurven herum. Daher eignet es sich am besten für gerade Nähte (also nicht unbedingt für die gerundeten Nähte der Matschhose).

Es geht aber natürlich auch erstmal ohne Nahtdichter. Dieser kann notfalls auch nachträglich noch aufgebracht werden, falls die Hose sich beim Gebrauch doch als nicht dicht genug erweisen sollte.
Der Matschhosenschnitt jedenfalls ist so konzipiert, dass er kaum Nähte hat, durch die Nässe eindringen könnte.

Microtex-Nadeln:


Alles Beschichtete wie Regenstoff & Co. näht man am besten mit Microtex-Nadeln.
Diese haben eine besonders spitze, schlanke Spitze und können somit leichter in sehr feine und/oder dicht gewebte Materialien eindringen. Somit eignen sie sich super für die Verarbeitung von Microfasergewebe, Seide, beschichteten Folien und -Gewebe.
Damit möglichst wenig Wasser durch die Nähte eindringen kann, ist es außerdem sinnvoll, eine möglichst kleine Nadel und passendes Garn zu verwenden. Kleine Nadel = Kleine Löcher. 
Bei leicht elastischen Stoffen (PUL) ziehen sich die Löcher dann manchmal sogar wieder etwas zusammen.

1 Kommentar:

  1. Danke für die vielen Infos, so langsam beginne ich mich als Anfängerin im Dschungel der Fachleute zurecht zu finden, dank Menschen wie dir. LG ingrid

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